Hartzkritik

Gegenwind e.V.ruft zu Spenden auf!

Gegenwind e.V., Arbeitsloseninitiative Glauchau-Zwickau ruft zu Spenden auf, damit Mitstreitern ein Anwalt gestellt werden kann. Wie hier schon des öfteren berichtet wurde, hat Gegenwind mit “argem” Gegenwind zu rechnen. So wurde Betroffenen die Begleitung zur ARGE verweigert, weil die Beistände Mitstreiter von Gegenwind waren.

Nun hat Gegenwind folgenden Spendenaufruf losgelassen und aus nachvollziehbaren Gründen um Verbreitung gebeten:

Gegen den Verein, und speziell gegen einzelne Mitglieder sind seitens der ARGE Zwickau Stadt und Hohenstein-Ernstthal, aber auch von der Mitarbeiterin der ARGE Hohenstein-Ernstthal, Abteilung U25, Frau Ines Goldacker, Anzeigen wegen Beleidigung und Verleumdung gemacht worden.

Die Anzeige der ARGE Hohenstein-Ernstthal gegen zwei Mitglieder des Vereins anlässlich unserer 8. Donnerstagsdemo, wo in zwei Redebeiträgen die Arbeit der ARGE kritisiert wurde, ist von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Unter anderem lautete der Vorwurf, dass in den Redebeiträgen die Arbeit und die Mitarbeiter lächerlich gemacht wurden.

Zwei oder bessergesagt drei Verfahren laufen noch. Die Anzeige der ARGE Zwickau Stadt. Hier hat sich der Staatsanwalt noch nicht geäußert.

Die Anzeige und die kostenpflichtige Richtigstellung der Frau Goldacker sind dagegen anhängig. Zum einen muss ein Zivilprozess geführt werden, da die Kosten für die Richtigstellung nicht von uns übernommen werden, zum anderen ist vom Gericht auf Grund der Strafanzeige ein Strafbefehl über 100 € ergangen, der so nicht einfach hingenommen werden kann.

Warum können wir das nicht so einfach hinnehmen?
Um überhaupt eine Chance zu haben, benötigen wir natürlich einen Rechtsanwalt. Da das keine billige Angelegenheit ist, bitten wir um Spenden. Die ARGEn und ihre Mitarbeiter dürfen die Arbeit und die Aufklärung dessen, was in den ARGEn geschieht, nicht so einfach wegprozessieren können.

Da wir ein neuer und kleiner Verein sind, der sich ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert, bitten wir alle, die uns gedanklich,kämpferisch und daumendrückend unterstützen, auch um Geldspenden, damit wir mit anwaltlicher Vertretung diese Prozesse auch gewinnen können. Denken Sie daran, es geht zwar direkt um uns, aber viel wichtiger, es geht um das Prinzip und dass die Achtung und Menschenwürde der Hilfesuchenden gewahrt wird.

Daher bitten wir um Ihre finanzielle Unterstützung!!!

Spendenkonto: Volksbank-Raifeisenbank Glauchau eG, BLZ: 87095974, Konto Nr.: 4618, Kennwort: ARGE Z

Hans-Jürgen Reglitzki
Gegenwind e.V., Arbeitsloseninitiative Glauchau-Zwickau
1. Vorsitzender

Des weiteren hat die Arbeitsloseninitiative einen weiteren Text dem Spendenaufruf beigefügt, der zum Nachdenken anregt:

Persönliche Verantwortung ist gefragt

Auf Grund der Anzeigen gegen den Verein und dessen Mitglieder sollte einmal die Frage gestattet sein, welche Verantwortung tragen die handelnden Personen in den ARGEn?

Verantwortung tragen sie unzweifelhaft im Rahmen ihres Arbeitsvertrages gegenüber ihrem Arbeitgeber. Dann meinen sie aber, ist Schluss mit der Verantwortung. Das haben viele Mitarbeiter und selbst Personen aus der Geschäftsführung mit folgendem Satz zum Ausdruck gebracht. „Wir machen nur unsere Arbeit“. Dies ist sicherlich in gewissem Maße richtig. Sie müssen sich an die Gesetze und an die Anweisungen ihres Vorgesetzten halten, sonst drohen ihnen ebenfalls Repressalien und unter Umständen der Arbeitsplatzverlust.

Aber, und das wird meist völlig vergessen, haben sie auch noch eine andere und viel größere Verantwortung. Nämlich die, dem Menschen gegenüber, der vor ihrem Schreibtisch sitzt.

Es wird immer von den Gesetzen gesprochen und wenn etwas angeprangert wird, ist immer die große Masse gemeint. Völlig vergessen wird dabei, dass es sich um Einzelschicksale handelt. Einzelne Menschen, deren Leben zerstört, die in Not und Elend, ja zum Teil in den Freitod getrieben werden. Und hier sind die handelnden Personen in die Verantwortung zu nehmen.

Und genau hier beginnt auch ihre Verantwortung. Das Hartz-IV-System, dass sind viele Einzelschicksale und die Menschen die dahinterstehen. Ihnen muss viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Hier sehe ich auch uns, Gegenwind e.V., die darüber berichten, in der Verantwortung. So wichtig wie Geld und die Gesetze, so wichtig, und sicherlich noch wichtiger, sind die vielen Einzelschicksale der Betroffenen, weil sie ihr Leben zerstören. Deshalb müssen wir alle den Einzelschicksalen viel mehr Aufmerksamkeit schenken, und den Verantwortlichen in den ARGEn ihr Tun vor Augen halten. Anstatt sie einmal ihr Verhalten kritisch hinterfragen, wird mit Anzeigen reagiert.

Zum Teil sind es Überforderung und Ahnungslosigkeit, da völlig unqualifizierte Leute an den Schreibtischen sitzen, wie uns Herr Alt, Chef der Grundsicherung bei der BA Nürnberg, wissen läßt, und zum Teil auch charakterlich völlig ungeeignete Leute.

Normalerweise gehören an solche verantwortungsvollen Arbeitsplätze gut ausgebildete Leute, die die entsprechenden Fachkenntnisse besitzen. Fragen sie doch bei ihrem nächsten Besuch in der ARGE nach, welche Ausbildung ihr Gegenüber besitzt.

Es kann nicht sein, dass unkundige Personen über das Schicksal von Menschen entscheiden und nach Gutdünken Sanktionen verhängen, und die Leute mit Willkürmaßnahmen an den Rand der Verzweiflung, oder sogar in den Freitod treiben. Über all diese Dinge muss berichtet werden und die Verantwortung denen übertragen werden, die sie tragen.

Von einem Mitarbeiter der ARGE muss man verlangen können, dass er
sozialrechtliches und sozialpädagogisches Fachwissen besitzt. Zudem muss er charakterlich für diese Tätigkeit geeignet sein. Ansonsten hat er da nichts verloren.

Wie soll ein Friedhofsgärtner oder ein ehemaliger Telekommitarbeiter solche Kenntnisse sich aneignen, da man dazu eigentlich studiert haben muss, und die ARGEn ihre Leute auch nicht weiterbilden.

Hans-Jürgen Reglitzki
1. Vorsitzender
Gegenwind e.V., Arbeitsloseninitiative
Glauchau-Zwickau

 

Geschrieben am Mittwoch, 24. Februar 2010
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