Hartzkritik

Messerstecherei in Essener JobCenter

Am Morgen des 18. März 2010 kam es im Essener Jobcenter an der Bismarckstraße zu einem Angriff mit einem Teppichmesser auf  zwei Mitarbeiter des JobCenters.

Die Mitarbeiter sind ein Sachbearbeiter und ein Teamleiter des JobCenters, die mit dem sich beschwerenden Arbeitslosen einen Gesprächstermin für den Donnerstagmorgen vereinbart hatten, nachdem er bereits am Mittwoch im Jobcenter vorsprach. Aufgrund des Vorfalls, bei dem sich die beiden JobCentervertreter (41 und 43 Jahre) verletzten, denkt die JobCenter-Leitung über Konsequenzen nach, denn bisher kam es wohl noch nicht zu solchen Übergriffen in Essen.

Trotz ihrer Verletzungen konnten die beiden Männer den 29jährigen Arbeitslosen überwältigen und ihn bis zum Eintreffen der Polizei in einen Raum sperren. Der Arbeitslose bleibt im Gewahrsam der Polizei und wird am Freitag dem Haftrichter vorgeführt.

Die Teppichmesserattacke war der erste bewaffnete Angriff in Essens JobCentern. “Es kommt vor, dass Kunden laut und aggressiv werden”, sagt JobCenter-Sprecherin Heike Schupetta. “Aber so etwas hatten wir noch nicht. Die Geschäftsführung wird jetzt prüfen, ob zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen notwendig und machbar sind,” so Schupetta weiter. Angeblich wird es vermieden, überhaupt spitze Gegenstände in den Räumen herumliegen zu lassen und die Mitarbeiter haben durch Verbindungstüren jederzeit die Möglichkeit, Hilfe zu holen.

“Durch die Dezentralisierung auf mehrere Jobcenter haben wir außerdem versucht, lange Wartezeiten zu vermeiden, die die Kunden aggressiv machen können. Es kommt vor, dass Kunden laut und aggressiv werden, aber so etwas hatten wir noch nicht,” sagt Schupetta.

Es gab keine Hinweise darauf, warum der arbeitslose Mann so agressiv wurde. Es macht sich auch kaum jemand Gedanken darum, in wie weit die Beschwerde des Arbeitslosen berechtigt war. Ein Angriff mit einer Waffe ist auf jeden Fall zu verurteilen und man kann davon ausgehen, dass dem Mann ein Vorsatz vorgeworfen werden kann, wenn er mit dem Teppichmesser das Jobcenter betritt.

In wie weit allerdings das JobCenter sich überprüfen muss, wenn es öfter mal vorkommt, dass die “Kunden” laut und agressiv reagieren bleibt dahingestellt. Der Hinweis darauf, dass einige wenige Arbeitslose schon von vorn herein ein gewisses Agressionspotenzial in sich bergen, ist sicherlich kein Grund, die Umsetzung der Hartz IV-Gesetzgebung in Essener Jobcentern nicht doch mal zu überprüfen.

Hätte der Arbeitslose einen Beistand mit zu dem Termin genommen, wäre die Situation sicherlich nicht so eskaliert. Hartzkritik.de vermittelt Begleitung zu den JobCentern in Essen.

 

Geschrieben am Donnerstag, 18. März 2010
Abgelegt unter Aktuelles.
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5 Kommentar to “Messerstecherei in Essener JobCenter”

  1. exi sagt:

    Möglicherweise mag ein Beistand die Situation entspannen. Aber viele andere Vorfälle zeigen, daß selbst Beistände keine Kurzschlußreaktionen verhindern.
    Dumm, extrem dumm, ist die Feststellung, das Essener Jobcenter sollte seine Umsetzung des Hartzmurkses nochmals überprüfen. Dumm! Denn diese Einstellung stellt Essen als einen Einzelfall hin, obwohl Essen nur ein weiteres Detail in der blutigen Spur ist, den der Hartzmurks quer durch die Republik schlägt.
    Die einzelnen Taten mögen aus Verzweiflung geschehen. Aber die einzelnen Taten treten häufig und (in statistischem Sinne) systematisch auf. Meine (logische) Folgerung ist: die ARGEn treiben Menschen systematisch in Verzweiflung. Dabei sitzt der Fehler bereits im SGB II (in der Verhunzung durch P. Hartz) und kann nur zusammen mit dem SGB II ausgemerzt werden.

  2. redfly sagt:

    Danke für den Bericht. Aber fremdes Bildmaterial einfach so zu verwenden ist sicherlich nicht die feine Art. Man hätte auch vorher fragen können.

  3. Hartzkritik sagt:

    @redfly

    die Bilder sind weder heruntergeladen, noch gespeichert worden, sondern lediglich verlinkt, womit der Eigentümer, wenn er denn Copyrightansprüchestellt, jederzeit selber bestimmen kann, ob die Bilder hier zu sehen sind oder nicht. Nun kann jeder erkennen, dass die Seite nicht kommerziell betrieben wird, keine Einnahmen daraus generiert werden und die Banner unten auf der Startseite auf der Basis, Nutzung gegen Banner genutzt werden.

    Hinzu kommt, nicht jeder, der Bilder ins www stellt, ist jederzeit erreichbar und würde dann das warten auf eine Antwort, ob ein Bild hier verlinkt werden darf der Aktualität, bzw. der Schnelligkeit des Hochladens eines Aktikels geschuldet sein. Ich hoffe es ist damit entschuldbar, ansonsten wird das betreffende Bild bei Aufforderung selbstverständlich entfernt.

  4. Hartzkritik sagt:

    @exi

    Das die grundsätzliche Umsetzung der ARGEn und JobCenter als sytematisch bezeichnet werden können, kann man schon an der Aussage von Frau Schupetta erkennen, dass es schon vorkommt, dass die “Kunden” laut und agressiv werden. Es ist ein schmaler Grad zwischen lautem agressiven Verhalten und einer Tätlichkeit als Kurzschlußreaktion. Und wie weit muss die Verzweiflung, aber die auch vielleicht Wut vom Mittwoch auf den Donnerstag in dem Mann hochgekocht sein, wenn er schon ein Teppichmesser mit zum JobCenter nimmt.

    Bundesweit ist dies leider nicht der erste Fall und wird auch nicht der letzte sein, solange diese leidige Gesetzgebung am Leben ist.

  5. redfly sagt:

    Kein Problem. Das Bild ist auf Imagebanana verlinkt. Es kann natürlich hier weiterhin in die Homepage eingebunden werden.

    Schönes Wochenende
    redfly