Hartzkritik

PIA in Mülheim geht es an den Kragen

Am 29.06. 2010 fand eine öffentliche Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales in der Volkshochschule Mülheim statt. Neben Themen, wie der Fortführung des Optionsmodells oder der Aufgabenwahrnehmung nach dem Sozialgesetzbuch II, kam das Thema “PIA” (Pritätische Initiative für Arbeit e.V.) auf den Tisch!

Die Stadtverordnete, Gabriele Rosinski hatte eine Vorlage zum Thema PIA eingebracht. Als das Thema an der Reihe war, verzogen sich schlagartig die Minen der Beteiligten des Auschusses! Man sah ihnen an, dass dies ein ziemlich unangenhemes Thema ist. So konnte man z.B. CDU-Mitglied Annegret Bender zu ihrem Nachbarn sagen hören, dass es doch wohl einen Beschwerdeweg gebe, den man nehmen könne. Natürlich war dies ein mehr als ignoranter Spruch und zeugte davon, dass solch ein Ausschussmitglied, auch noch stellvertretenden Vorsitzende, eigentlich nichts in einem Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales zu suchen hat. Es zeigte einmal mehr, wie die CDU bundesweit, bis in die kommunale Basis hinein zu den Arbeitslosen steht und zeigte, dass die meisten Ausschussmitglieder gar nicht interessierte, wie die Menschen bei der PIA behandelt werden. Der “normale” Beschwerdeweg wird im Fall PIA keine Abhilfe für betroffene Kunden darstellen!

Auch wussten Sozialdezernent Ulrich Ernst und Sozialagenturleiter Michael Spies nichts zum Thema PIA zu sagen, außer dass Gespräche zwischen PIA und Sozialagentur eben Gespräche zwischen PIA und Sozialagentur bleiben und nicht mit den Betroffenen “Kunden” zusammen geführt werden. Die Stadtverordnete Gabriele Rosinski hatte eingeworfen, dass Gespräche an einem Tisch mit Sozialagentur und PIA unter Beteiligung der Betroffenen stattfinden sollten. Es soll also weiter geklüngelt werden, was das Zeug hergibt, denn Radstation und Co. gelten als Vorzeigeprojekte. Wie immer bei solchen Dingen: Die eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus!

Die öffentliche Anfrage der Stadtverordneten, Gabriele Rosinski hatte es in sich. So stellte sie Fragen, wie, wurde der Stadt von der PIA ein Konzept vorgelegt, dass über die Selbstdarstellung des Herrn Schellberg (Geschäftsführer der PIA) auf der Hompage des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hinaus geht oder legt die PIA der Sozialagentur Mülheim regelmässig Rechenschaft ab über Inhalte, Durchführung und Erfolg ihrer Maßnahmen.

Natürlich wurden die meisten Fragen nur ungenügend und lediglich schriftlich beantwortet. Allerdings kam heraus, dass die PIA tatsächlich 1.146 von der Sozialagentur entsandte “Kunden” betreute, von denen lediglich 76 eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ohne Förderung aufnahmen, 8 mit Förderung und 6 eine geringfügige Beschäftigung. Für zusätzliche und gemeinnützige Tätigkeiten im Rahmen der “Stadtdienste”, also der PIA-Projekte, wie Radstation, Altenpfleghilfedienst oder den Freizeitstationen wurden in diesem Jahr insgesamt 111 EinEuroJobber eingesetzt, davon sind aktuell 54 beschäftigt, die die Arbeitslosenstatistik der Stadt Mülheim bereinigen!

Direkt im Kompetenzpunkt wurden bisher in diesem Jahr 25 EinEuro-ZwangsJobber eingesetzt, wovon 12 aktuell höchstwahrscheinlich mit schmieren von 10 Brötchen täglich oder gießen der Grünpflanzen im Kompetenzpunkt der PIA beschäftigt sind! Reguläre Stellen werden angeblich nicht durch EinEuroJobber ersetzt, so die Auskunft der Sozialagentur.

Durch Betroffene wurde bekannt, dass teilweise nach einer 9monatigen Teilnahme beim Maßnahmeträger PIA betroffene Kunden gleich im Anschluß  für weitere 9 Monate zur PIA zwangsverpflichtet wurden. Laut Sozialagentur beträgt die Verweildauer in Bildungsmaßnahmen gem § 46 SGB III 1 Woche bis 9 Monate, bei Integrationsjobs 6 – 12 Monate.

Alles in Allem lassen die Antworten sehr zu Wünschen übrig. Weiterhin hält man sich bedeckt, hält die Duzverhältnisse zwischen PIA-Mitarbeitern und den sogenannten Casemanagern (Sachbearbeiter, Fallmanager) am Leben und kostet es aus, dass über die PIA kaum etwas herauszubekommen ist. Während dessen leiden die betroffenen “PIA-Kunden” und oftmals sind sie nach einer Maßnahme eher therapiebedürftig, als vor einer Maßnahme.

Mittlerweile darf man es als bestätigt ansehen, wie die PIA, insbesondere die Coaches mit den Betroffenen umgegehen. Es bleibt ein unhaltbarer Zustand, gegen den die Sozialagentur nichts unternimmt! Zumindest wurde durch die Vorlage im zuständigen Ausschuss mittlerweile öffentlich bekannt, wie die Betroffenen den Besuch bei der PIA wahrnehmen!

Anfrage der Stadtverordneten Frau Gabriele Rosinski vom 23.06.2010 kann ->hier auf den seiten der Stadt Mülheim eingesehen werden!

 

Geschrieben am Donnerstag, 01. Juli 2010
Abgelegt unter Aktuelles.
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2 Kommentar to “PIA in Mülheim geht es an den Kragen”

  1. zwergi sagt:

    Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus….

    es ist Fakt das die PIA der Sozialagentur mehrere Fahrzeuge aus dem Public-Car-Pool überlässt und genauso auch für gemütliche GRATIS Grillabende im Kreise der Kollegen der überlasteten Casemanager an den Grillplätzen am Ruhrufer (unterhalb der Mendener Brücke) sorgt. Natürlich mit entsprechendem Catering…
    Also die Sozialagentur stellt der PIA das Dienstpersonal und im Gegenzuge bekommen sie unter anderem diverse Feiern gestellt.
    Aber nein von Vetternwirtschaft kann hier nun wirklich nicht die Rede sein, vielleicht von Amtshilfe (Die Amtshilfe ist die verwaltungsmäßige nationale und internationale Unterstützung einer Behörde durch eine andere Behörde) aber das wäre ja der falsche Begriff denn die PIA ist doch ein VEREIN…. würde “Vereinsmeierei” passen? Nein, denn die Sozialagentur ist definitiv kein Verein, so wurde es mir mal von einer Empfangsdame mit sehr bösem Blick erklärt.

    Naja Fazit ist einfach keiner sagt nein zu den Annehmlichkeiten die sich beide Institutionen gegenseitig bieten.

    Da ich innerhalb meines Jahres der Zwangsarbeit bei der PIA niemals eine Antwort auf Fragen nach dem Sinn und Zweck der Behandlung oder Anwesenheit der Schwester von Herrn Schellberg etc. bekam, hab ich mit keinem anderen Ergebnis der öffentlichen Sitzung gerechnet.
    Ach ja hab ich schon erwähnt das eine ältere Mitarbeiterin der Radstation entlassen wurde, damit die Freundin der Betriebsleitung den Posten einnehmen konnte…

    Ja es ist mein Neid nicht in diesem Kreis von Freunden zu stehen um wieder eine Stelle zu finden, in dem ich sogar andere Leute knebeln und knechten kann.

  2. gast 0010 sagt:

    hab ich ähnlich mitbekommen.
    unglaublicher sumpf.
    dranbleiben. geht alles auf keine kuhhaut.

    bin da nach vier monaten 30 % kürzung wegen nicht unterschreiben der verlängerung nach 8 monaten raus.

    wäre schon lange wieder selbständig wenn mich der dreck nicht zurückgeworfen hätte.