Hartzkritik

Euer Beitrag | Meine Erfahrungen als 1 € Sklave bei der PIA

Nach einem Gespräch mit meiner Casemanagerin, Frau Brehmer, wurde ich im April 2008 auf eigenen Wunsch als 1 € Jobberin zur PIA vermittelt. Aufgrund meiner beruflichen Erfahrungen sollte ich in der Radstation HBF Schalterdienst verrichten.

Nach kurzer Einarbeitung durch einen anderen 1 € Jobber in die Kasse und weitere administrative Büroarbeiten wurde ich von Frau Johannsen im Schichtdienst eingeplant.

Die Arbeitszeiten gestalteten sich für mich als Mutter recht familienfeindlich, da die Schichten von 8:00 – 16:00 Uhr und von 16:00 – 22:30 Uhr gingen. Natürlich auch an Wochenenden und Feiertagen. Die Erziehung meines 13 jährigen Sohnes blieb dabei natürlicherweise auf der Strecke.

Der Arbeitsplatz war extrem laut, da sich die ICE Gleise gleich über dem Büro befinden. Es gab nur eine Toilette für Männer und Frauen und konnte zeitweise nur unter heftigem Ekel benutzt werden.

Während der Mittagschicht stand ich meist alleine und durfte mich neben Telefon und Paketannahme noch um Fahrradverleih und Shop & Go kümmern. Besonders im Winter hält man sich als Frau nur mit einem sehr flauen Gefühl dort auf, weiß man doch, dass es im Notfall keine Hilfe gibt.

Besonders überfordert war ich, wenn ich an Wochenenden alleine im Büro war und es mal wieder bei Fahrradverleihaktionen zu Fehlplanungen durch Herrn Schadt kam, welcher natürlich auf seinem Firmenhandy nicht erreichbar war. Den Stress mit den Kunden hatte ich, ohne dass ich ihnen eine Lösung anbieten durfte oder konnte. Mitdenken wurde nicht nur nicht erwartet, es wurde sogar verboten.

Wenn es während einer Frühschicht mal Fragen oder Beschwerden von Kunden gab und ich mir Hilfe von Frau Johannsen holen wollte, durfte ich immer so lange in der Türe stehen, bis die Frau sich von ihrer Arbeit freimachte und dazu herabließ wohlwollend nach meinem Anliegen zu fragen.

Es konnte dann durchaus passieren, dass man statt einer ordentlichen Antwort ne blöde Gegenfrage oder dumme Sprüche zu hören bekam. Viele meiner 1 € Kollegen gingen nur noch äußerst ungern zu unserer „Vorgesetzten“.

Den Höhepunkt erlebte ich dann im September 2009, als Frau Johannsen mich anrief und fragte, ob ich ein Verhältnis mit ihrem geschiedenen Mann hätte. Obwohl es ihr hätte egal sein können, ich aber nichts mit Ihm, verneinte ich.

Das hielt sie nicht davon ab mich mit SMS zu bombardieren und eine andere 1 € Kraft auf meine Kinder anzusetzen, um diese nach einem vielleicht doch bestehenden Verhältnis zu ihrem Ex auszuhorchen.

Nachdem meine Kinder mir davon berichtet hatten ging ich ohne Anmeldung zu Herrn Schellberg, den diese Geschichte wohl genauso wenig interessierte, wie meine Casemanagerin, der ich diesen Fall schilderte.

Die Sache ging mir derart an die Nerven, dass ich die restlichen Wochen bis zum Ende der Maßnahme von meinem Arzt krankgeschrieben wurde.

Selbst während meiner Krankschreibung ließ es sich Frau Johannsen nicht nehmen, mich mit Anrufen und SMS zu bombardieren, um mich zur Rückkehr an den Arbeitsplatz zu bewegen.

Ich erklärte Ihr, dass ich erst dann Arbeiten komme, wenn mein Arzt mich gesund schreiben würde.

Das einzig Positive an dem Jahr war die wohl, auf einem schlechten Gewissen beruhende, sehr gute Beurteilung.

Wenn ihr ähnliches mit der Sozialagentur oder der PIA erlebt habt, dann wendet euch vertrauensvoll an info@hartzkritik.de

Petra Buers

 

Geschrieben am Donnerstag, 19. August 2010
Abgelegt unter Euer Beitrag.
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ein Kommentar to “Euer Beitrag | Meine Erfahrungen als 1 € Sklave bei der PIA”

  1. Step sagt:

    Hartz4 = Volkskrankheit

    …Die “Strafe” für Krankheit im 1 euro job besteht darin, dass Du für die Zeit der Erkrankung nicht bezahlt wirst; das “lustige” ist nur, dass Mann o. Frau erst durch 1 euro job krank wird…