Hartzkritik

Euer Beitrag | Schikane vor der Duisburger Tafel, wegen gehbehinderter Oma

Ich gehe jede Woche mir Lebensmittel bei der Duisbruger Tafel holen. Bis jetzt bin ich seit Juli 2009 immer mit reingegangen. Meine Oma hat eine 100% Schwerbehinderung und ist gehbehindert und hat eine rote Karte mit der sie vor den anderen Leuten mit den normalen weissen Tafelausweisen einkaufen darf. Bis jetzt durfte ich mit rein und direkt selber mit einkaufen.

Der Duisburger Tafelladen

Bis zum 16.08.2010! Wir stellten uns, wie immer, in die Reihe der Ersten mit den roten Karten an. Dann kam die stellvertretende Leiterin der Duisburger Tafel, sie übernahm diesmal das einsammeln des 1-Euro-pro-Person-Betrages den man zahlen muss. Soweit so gut. Sie kam dann bei meiner Oma an und kontrollierte die Karte meine Oma. Es war alles in Ordnung und sah dann meine weiße Karte. “Was ist das?!” mehr schreiend als fragend. “Die Karte meiner Enkelin, die kommt immer mit mir rein einkaufen, sie ist meine Begleitung,” antwortete darauf meine Oma.

“Das geht nicht die soll sich gefälligst eine Nummer holen, wie jeder andere mit einer normalen weißen Karte!” schrie die stellvertentende Leiterin dann meine Oma an. Dann klingte ich mich ein, war bis zu dem Zeitpunkt noch still geblieben. “Waru…,” weiter kam ich nicht, denn die Frau sprang mir bald in die Arme: “ICH REDE ICH REDE ICH REDE, LASSEN SIE MICH AUSREDEN! SIE HABEN HIER NIX ZU BESTIMMEN!” schrie die Frau stellvertretende Leiterin mich an. “Würden sie mir bitte eine vernünftige und logisch verständliche Antwort geben warum ich nach einem Jahr nicht mehr mit rein darf und einkaufen darf?” fragte ich in ruhigem Ton. “ICH BESTIMME HIER DIE REGELN, SIE HABEN HIER NICHTS ZU SAGEN! DA KANN JA JEDER KOMMEN, BESCHEISSEN!” schrie Frau stellvertretende Leiterin weiter. Ich antwortete daraufhin nichts mehr weil ich im Hintergrund gesehen hatte, dass meine Oma schon auf dem Weg ins Büro war, was die stellvertretende Leiterin auch langsam mitbekam. Frau stellvertretende Leiterin sprang dann quer durch den Raum, stellte sich in den Türrahmen, der zu den Büros führte und wackelte hin und her und schrie dabei: “SIE KOMMEN HIER NICHT, REIN SIE KOMMEN HIER NICHT REIN!” meine Oma stoppte dann und wollte wohl versuchen an ihr vorbei zugehen und wurde von ihr an der Schulter gepackt. Ich bin daraufhin nur noch dorthin und zum Glück hat die stellvertretende Leiterin meine Oma losgelassen. Ich fürchte, die Frau hätte meine 84jährige gehbehinderte Oma durch die Gegend geschubst. Mein Kommentar dazu war “Sie behandeln uns hier, wie den letzten Dreck und lassen uns nicht zu unserer Erklärung und zu Wort kommen!”

Dann stellten wir uns wieder in die Reihe für den Einkauf rein. Wir waren nun am ersten Stand des Tafelladens, dem Gemüsestand, als Frau stellvertretende Leiterin reingeschossen kam. Sie ging zu jedem einzelnen Stand und schrie mit dem Finger auf mich und meine Oma zeigend: “DIE FRAU DA DARF EINKAUFEN, DIE ANDERE MIT DER WEISSEN KARTE NICHT!”

Meine Oma kaufte dann ihre Lebensmittel ein. Leider konnte ich dies nicht mehr tun, weil mir die stellvertretende Leiterin den Einkauf an diesem Tag verboten hatte. Aussserdem kann ich meine Oma nicht von 11:00 Uhr, bis ich drankomme dort sitzen lassen, das schafft die Frau nicht mehr.

Wir fuhren nach Hause und ich erzählte dies meiner Mutter, welche dann freundlicherweise für mich bei der Diakonie angerufen hatte. Ich hätte es selbst getan, dazu bin ich fähig und selbstständig genug, aber wir mussten durch die ganze Aufregung einen Arzt für meine Oma holen. Bei der Diakonie war man sehr nett und hilfsbereit, nur leider hat die Diakonie gar nichts mit der Tafel zu tun. Also hat meine Mutter den Leiter versucht zu erreichen. Er war aber um 14:30 Uhr nicht mehr bei der Tafel zu sprechen.

Am nächsten Morgen rief meine Mutter, bevor sie selber arbeiten fuhr, bei der Tafel an und sprach den Leiter. Sie versuchte ihm den Vorfall zu schildern, er wollte aber jedesmal meiner Mutter in den Satz fallen. “Frau L., sie müssen verstehen, da muss ich meine Mitarbeiterin in Schutz nehmen, sie hat vollkommen richtig gehandelt. Die Leute bescheissen hier ja nur und das darf man nicht durchgehen lassen. Meine Mitarbeiterin hat vollkommen richtig gehandelt!” Meine mutter antwortete daraufhin “Was haben diese Leute, die betrügen mit dem Vorfall meiner Mutter und meiner Tochter zutun?” Er konnte daraufhin keine Antwort geben und sagte meiner Mutter, dass man sich melden würde. Meine Tante rief unabhängig von meiner Mutter am selben Tag, etwa 2 Stunden später an. Ihr wurde dasselbe gesagt. Bis heute gab es keinen Rückruf der Duisburger Tafel.

Ich bin immer noch geschockt über das Verhalten der stellvertretenden Leiterin der Duisburger Tafel. Es kann nicht sein, dass sie ein Jahr mich mit reinlassen und dann nicht mehr. Angeblich hätte ich dadurch einen Vorteil. Ich kann aber nicht später rein weil ich, vor allem in Hinblick auf Herbst und Winter, meine 84jährige zu 100% schwerbehinderte und gehbehinderte Oma draussen sitzen lassen müsste. Ausserdem lasse ich ich weder mich, noch meine Oma von der Duisburger Tafel wie den letzten Dreck behandeln. Ich habe mir das nicht ausgesucht dorthinzugehen, um mir Lebensmittel zu holen. Ich mache das nicht aus Spaß!

(eingereicht am 20.08.2010)

 

Geschrieben am Freitag, 20. August 2010
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9 Kommentar to “Euer Beitrag | Schikane vor der Duisburger Tafel, wegen gehbehinderter Oma”

  1. Hans-Detlev v. Kirchbach sagt:

    Der Vorfall, sicher nicht der einzige seiner Art, zeigt deutlich, wohin die Verlagerung von Rechtsansprüchen auf gnadenweise, von oben herab gewährte, stets mit Verachtung der Klientel verbundene “Mildtätigkeit” führt. Den sogenannten “Armen” wird nach christlicher Tradition ein Brosamen hingeworfen; dafür werden Dankbarkeit, Demut und gottergebener Gehorsam eingefordert. Schließlich handelt es sich bei sogenannten Armen, wie uns beispielsweise, ganz in der Tradition autoritärer “Armenpolizey”, Herr Sarrazin via BILD unaufhörlich einhämmert, um eine sozusagen von Natur aus moralisch unterwertige Untersorte innerhalb der menschlichen Gattung. Diese kann, im Gegensatz zu unseren Leistungsträgern wie etwa dem Herrn Ackermann von der Deutschen Bank, notorisch nichts anderes als “nur bescheißen”, wie der Leiter der Duisburger Tafel als anscheinend bekennender Sarrazinist unfehlbar erkennt. Herr Laumann, der ehemalige CDU-Sozialminister von NRW, zeigte sich kurz vor seiner Amtsenthebung in einer Sendeaufzeichnung für die “Funkhausgespräche” von WDR 5 gerührt über die “christliche Nächstenliebe”, welche sich bei den “Tafeln” allenthalben manifestiere. Da hat der gute Gottesmann durchaus recht. Denn namentlich die Duisburger Version der Armenabspeisung nach strengster Delinquentenkontrolle läßt wahrhaft erschütternd und erschaudernd den insofern traditionsgerechten Geist jener “christlichen Barmherzigkeit” erkennen, die nur kurzfristig durch gottlose Erfindungen wie Sozialstaat und soziale Rechtsansprüche eingedämmt werden konnte. Nun aber dürfen wir das nur elektronisch modernisierte Neuerblühen von Feudalismus und Untertanenstaat beobachten – die Gnadentafeln sind ein symptomatischer Teil dieser politisch gewollten Regression ins Mittelalter.

  2. gast 0010 sagt:

    Unglaublich was heute um uns herum abgeht.
    Die Tafeln sind u.a.von der Unternehmungsberatergruppe
    McKinsey gesponsort & verwaltet.

    Nicht weil man dort so grosszügig ist,
    sondern damit im Endeffekt kranken oder alten, allgemein Hartz Beziehern,
    in den Sozialagenturen gesagt werden kann,
    ist doch alles gar nicht so knapp mit Ihrem Geld.
    Gehen Sie doch zur Tafel.

    Solidarische Grüsse
    m

  3. bea sagt:

    Schönen Tach auch,
    sehr guter Beitrag von Hans-Detlev v Kirchbach.
    Es wird noch drastischer kommen. Die reichen und
    superreichen werden sich hinter neu zu errichtenden
    Stadtmauern verschanzen (die Stadtmauern müssen von
    1 € Sklaven erbaut werden) wir draussen, den Aussätzigen,
    wird ab und zu mal ein Stück Fallobst
    oder ein angefressener Kotlettknochen “rübergeworfen”.
    Dann beginnt der nackte Kampf ums überleben!!
    Warum? Weil Habgier und Habsucht von Politikern
    und Menschen wie Ackermann & Co. weiterhin ihr Unwesen treiben.
    Ich erinnere an die Diätenerhöhung im Landtag
    einen Tag nach dem 80 Mio € Sparpaket an Hartz IVlern!
    siehe Wikipedia:
    Habgier oder Habsucht ist das übersteigerte Streben
    nach materiellem Besitz, unabhängig von dessen Nutzen,
    und eng verwandt mit dem Geiz,
    der übertriebenen Sparsamkeit und dem Unwillen zu teilen.

    Schönen Tach noch Bea

  4. profihartzer sagt:

    ….also ich habe hier aber auch schon andere Tafel-Erfahrungen gemacht,
    ich trete selbstbewußt aber freundlich auf, und finde in der Regel entsprechende
    Akzeptanz. Ich empfinde mich nicht als Bitsteller, sondern eher als berechtigter Anspruchsteller der Überbleibsel einer Überfussgesellschaft.
    Obige persönliche Verfehlungen einer stellv. Leiterin sind bedauerlich,
    bezeugen verachtenswerte charakterliche Defizite, sind aber leider alltäglich.
    Eine offizielle schriftliche Beschwerde an den Träger kann hier hilfreich sein,
    bei weiteren Auffälligkeiten erneute Beschwerde mit Einbindung weiterer Betroffener.
    So bewahrt man seine Würde unnd begegnet “stellv. Leiterinnen” stolz auf Augenhöhe.

  5. Maximal sagt:

    Ich sehe hier das Problem, das Euer Fall kein Einzelfall ist. Bei der Tafel kommen Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen zusammen und das ist eben schwierig.
    Ich bin durchaus der Meinung, das Ihre Oma nunmal eine andere Bedafsgemeinschaft ist.
    Wenn Sie Hilfe braucht können Sie Ihr meiner Meinung nach gerne helfren. Für Ihren Einkauf werden Sie Durchaus die Gelegenheit haben an einen anderen Tag Ihren Tafeltag zu vereinbahren. Da könnte ja jeder kommen der zufällig eine Oma,oder Behinderten hat der auch dort Einkauft. Um Streit hier abzuschwächen gibt es nunmal diese Regel jetzt, und da kann Ihnen auch keine Diakonie weiterhelfen. Wo will man einen Punkt hier machen ? Ich sehe auch Mütter mit kleinen Kindern, welche sich hier ebenfalls anstellen.

  6. admin sagt:

    @Maximal

    Der Vergleich zu einer Mutter mit Kind hinkt doch dann, wenn es sich um eine gehbehinderte Rentnerin handelt, die vermutlich nicht mal den Einkauf mehr schleppen kann. Zudem, wenn man bei einer Tafel Lebensmittel bekommt, kann man von einer Bedürftigkeit ausgehen. WOher also das Geld nehmen, um womöglich deswegen ein zweites Mal in einer Woche zur Tafel zu fahren?

    Ich denke, wer für solche Situationen kein Verständnis aufbringt, dem ist dann auch sonst nicht zu helfen. Außerdem dürfte in einem Tafelladen noch genug Ware vorhanden sein, nach dem die Behinderten abgefertigt wurden, da dürfte es nun wirklic nicht drauf ankommen, wenn die Begeleitperson – ebenfalls auf Tafelware angewiesen – eben ihr bischen Zeug mit einpackt!

  7. Maximal sagt:

    Warum nur dann diese plötzliche Änderung der Tafelregeln ???
    Oder hat sich die Autorin des oben geschilderten Sachverhalt etwa zurecht über die Tafeleitung aufgeregt ?
    Dann sollte sich die Tafeleitung auch bei Ihr schleunigst entschuldigen für den Vorfall !!
    Das ist meine Meinung dazu.

  8. lemja sagt:

    hallo ich habe die erfahrung gemacht mit bürger für bürger das ist jetzt das zweite jahr das ich bei dieser wunschzettel aktion teilgenommen habe mit meinen kindern ….mit dem ergebniss das die weinachts pakete meiner kinder nicht da sind und auch nicht mehr kommen werden …so stehe ich jetzt das 2mal ohne geschenke da und meinen kindern muss ich sagen der weihnachtsmann hat euch dieses jahr wieder vergessen weil er zu vieh zu tuhen hatte würde ihnen gerne was schenken geht aber nicht bin dialyse krank..und lebe von hartz 4 bin leider nicht in der lage dazu…bin sehr enteucht von denen da ich das 2jahr mit nicht da stehe aber was kann mann da schon machen so ist das leben mal gerecht utrotzdem wünche ich allen ein und mal ungerescht ….trozdem wünsche ich allen ein frohes fest

  9. lemja sagt:

    mal gerescht und mal ungerescht …trotzdemwünche ich allen frohes fest