Hartzkritik

Zur Debatte über Kinderarmut in Deutschland

Katja Kipping, sozialpolitische Sprecherin der Die Linke und Vorsitzende des Arbeists- und Sozialausschusses des Bundestages hatte ein Anfrage zur Kinderarmut an die Bundesregierung gestellt. Sie wehrt sich gegen die allgemein propagierten Angaben zur Kinderarmut.

Katja Kipping, Die Linke, tritt auch für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein.

“Gegenwärtig wird in Berichten über eine OECD-Auswertung der Eindruck erweckt, die vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelten Angaben zur Kinderarmut in Deutschland müssten enorm nach unten korrigiert werden. Sogar von einer Halbierung auf rund 8 Prozent ist die Rede. Dem steht entgegen, dass sämtliche in Deutschland nach EU-Standard ermittelten Werte zur Kinderarmut weit über diesen 8 Prozent liegen: bei 15 Prozent nach dem EU-SILC, bei 18,4 Prozent nach dem Mikrozensus, bei 16,4 Prozent nach dem Sozioökonomischen Panel (DIW). Die Werte des EU-SILC bzw. des Mikrozensus stammen vom Statistischen Bundesamt bzw. aus der amtlichen Sozialberichterstattung. Die Werte des Sozioökonomischen Panels wurden auf meine Anfrage hin von der Bundesregierung selbst aus den DIW-Daten berechnet und sind somit faktisch amtlich bestätigt.

Von Entwarnung kann beim Problem der Kinderarmut kann also keine Rede sein. Schritte zur Bekämpfung der Kinderarmut, wie beispielsweise die Einführung einer Kindergrundsicherung sind dringend geboten,” so Kipping in einer Presseerklärung.

Weiter schreibt Katja Kipping: “Zwar ist der Bezug von Hartz-IV-Leistungen nicht automatisch mit Armutsgefährdung gleichzusetzen, es kann jedoch von einer gewissen Überschneidung ausgegangen werden. Knapp 2 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 leben im Hartz-IV-Bezug (Dez. 2010). Das sind rund 13 % der insgesamt rund 15 Millionen Unter-18-Jährigen.”

Dazu sei angemerkt, dass Kinder im Hartz IV-Bezug definitiv arm sind! Denn meist beziehen die Eltern ebenso Alg II, bzw. stocken damit ihr karges Gehalt auf. Eine vernünftige Kindheit ist zudem mit dem derzeitig auch weiterhin sinkenden Lohnniveau in Deutschland kaum zu finanzieren und so hat ein Kind aus sozial prekären Verhältnissen kaum eine Chance auf eine höhere Bildung, um später aus eben diesen sozial schwachen Verhältnissen ausbrechen zu können.

Da nützt auch kein Bildungpaket der Bundesregierung. Durch einige wenige Rabenmütter, die lieber in “Ed Hardy”-Klamotten herumlaufen, statt ihre Kinder mit vernünftiger Kleidung zu versorgen, und die weiterhin beständige Defamierung von Alg II-Beziehern gerade durch Politiker wird verhindert, dass Eltern für ihre Kinder ausreichend Geld in die Hand bekommen!

Die Bundesregierung kalkuliert damit, dass selbst in dem Bildungspaket enormes Sparpotenzial steckt. Vermutlich geht man davon aus, dass viele Eltern das Bildungspaket für ihre Kinder gar nicht beantragen. Zum einen gibt es Alg II-Bezieher, die es schlicht ignorieren, andererseits wollen viele Eltern ihre Kinder nicht durch Gutscheine bloßstellen.

Verständlich ist insbesondere letzteres allemal! Erzeugt wird es insbesondere durch die weitergeführten difamierenden Kampagnen durch Politikermund, wie zuletzt von CSU-Frau Christine Haderthauer geschehen, die meinte, dass der Leidensdruck im Alg II-Bezug nicht hoch genug sei. Doch genau dass ist der Punkt, warum die Menschen im Alg II-Bezug die Füße still halten, statt auf die Straße zu gehen, um in der Masse gegen das gesamte System der derzeitigen sozialen Absicherung zu demonstrieren.

Selbst für ihre Kinder sind sie nicht bereit, für eine vernünftig finanzierte Lebensführung auf die Straße zu gehen. Lieber spart sich die überwiegende Mehrheit dass letzte für die Kinder vom Munde ab.

 

Geschrieben am Freitag, 20. Mai 2011
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