Hartzkritik

50+ – Projekt KomET in Essen: Wird wirklich vermittelt?

Wieder einmal wurden Extragelder vom Bund bereitgestellt. Diesmal für die besondere Förderung, Erwerbslose über 50 Jahre in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Statt das Kind einfach Initiative 50+ zu nennen, heißt dieses Projekt in Essen KomET – Kompetenz, Erfahrung, Tatkraft!

Selbst auf Fahrzeugen wird das Projekt KomET beworben, doch was man an Selbstständigkeit dabei an das Projekt abgibt, wird nicht kommuniziert

Doch wie muß hier die Kompetenz, Erfahrung und Tatkraft interpretiert werden? Als über 50jährige/r bekommt man eine Einladung zu einem besonderen Gespräch mit einem eigens für dieses Projekt eingesetzten Sachbearbeiter. In dem Gespräch wird natürlich KomET über den grünen Klee gelobt und angepriesen und wie toll die letzte Weihnachtsfeier war und immer wieder taucht der Begriff der Freiwilligkeit auf.

Nun ist die allgemeine Freundlichkeit, mit der man in den Essener Jobcentern behandelt wird hinlänglich bekannt. Kaschiert sie doch immer wieder die schlimme drangsalierende Gesetzgebung, insbesondere deren zweifelhafte Umsetzung und das weiterhin andauernde verdrehen der Gesetze zu Gunsten des Etats, mit dem jedes Jobcenter zurechtkommen muss.

So verläuft ein Gespräch mit dem Sachbearbeiter des Projekts KomET dann auch in etwas lockerer Athmosphäre, als man es sonst gewohnt ist. Schließlich wird immer wieder im Gespäch auf die Freiwilligkeit des Ganzen hingewiesen. So wird dem Erwerbslosen erklärt, dass es 2 Arten gibt, das Projekt zu nutzen. Eine recht intensive Variante, bei der man die volle Unterstützung der Arbeitsvermittler erhält und eine Variante, bei der man lediglich nur punktuell unterstützt wird.

Schließlich geht es am Ende des Gesprächs wieder darum, eine Eingliederungsvereinbarung (EGV) zu unterschreiben. Wie üblich enthält -  in Essen zumindest – so eine EGV einen festen Bestandteil, der daraus besteht, dass die bestehende Gesetzgebung zitiert wird. Daran kann auch der Sachbearbeiter nichts ändern. Der individuelle Teil wird nun auf das Projekt KomET zugeschnitten. Leider taucht darin kaum noch etwas von dem auf, was besprochen wurde und irgendwelche Freiwilligkeiten sucht man dann vergebens.

Man bekommt zusätzlich 2 weitere Formulare mit.  In dem einen kann man ankreuzen, ob man ein weiteres Beratungsgespräch wünscht oder am Projekt KomET nicht teilnehmen möchte. Bei letzterem bleibt man in der ganz normalen Betreuung seines bisherigen Sachbearbeiters und da man eben mit über 50 Jahren keinen potenziellen Arbeitgeber mehr hinter dem Ofen hervorlocken kann, bleibt man wohl in Hartz IV gefangen. Dies wird vom Sachbearbeiter des Projekts KomET auch so verdeutlicht.

Das andere Formular enthält eine Datenschutzerklärung, mit dem so gut wie sämtliche Sozialdaten von den Arbeitsvermittlern des Projekts KomET an Dritte weitergereicht werden darf. Man gibt sozusagen seine Persönlichkeit schon mal an der Eingangstür ab, ohne dass man eingetreten ist!

Mit den meist eingelullten und gutgläubigen Erwerbslosen, die von ihren Rechten dann auch kaum eine Ahnung haben, lässt sich vermutlich leicht umspringen. Schließlich gibt es auch das ein oder andere gesellige Beisammensein mit Leidensgenossen, eben den unter Hartz IV Leidenden über 50jährigen, die eigentlich niemand mehr einstellen will.

Störend wirkt da auch, dass eben mit Maßnahmeträgern wie der Essener Neuen Arbeit zusammengeareitet wird und auch die Arbeit & Bildung Essen GmbH sitzt mit im Boot. Hier kann sich so mancher Ü50-Erwerbslose schnell wiederfinden, statt in den angestrebten ersten Arbeitsmarkt vermittelt zu werden.

Wenn man zu den etwas selbstständigeren Menschen gehört, die eher nicht so an die Hand genommen werden wollen, allerdings eben nur z. B. die Begleitung zu einem Vorstellungsgespräch brauchen, weil man sich vielleicht in einem Vorstellungsgespräch nicht so gut verkaufen kann, müsste man dieses Projekt spätestens dann ablehnen, wenn man die Datenschutzerklärung vorgelegt bekommt. Zu sehr gibt man seine Persönlichkeitsrechte in die Hände der Arbeitsvermittler, die zwar gute Kontakte zu den Firmen haben sollen, doch damit über das Wohl und Wehe eines Teilnehmers entscheiden können und damit über seinen Kopf hinweg.

Man muss trotz der bis dato 801 Vermittlungen, die das Projekt KomET auf ihrer Internetseite propagiert zu dem Schluss kommen, dass das Projekt auch dazu dient, die vielen nicht vermittelten Erwerbslosen wieder mal bei den Maßnahmeträgern  zu parken, um die Statistik zu schönen.

Selbstständig handelnde ü50er geben bei der Teilnahme einen erheblichen Teil ihrer Selbstständigeit ab. Die kommunizierte Freiwilligkeit wird durch die EGV ausgehebelt und man muss sich die Frage gefallen lassen, ob auch die Teilnahmen an den Geselligkeiten wirklich freiwillig sind oder das Fehlen daran durch die Formulierungen in der EGV auch sanktioniert werden könnten.

Verwehrt bleibt denen dann diese wohl gutgemeinte Hilfe zur Vermittlung in den ersten Arbeitmarkt, die dass Spiel durchschauen und im Grunde nur einen Punkt der angebotenen Hilfe bräuchten, die sie von ihrem normalen Sachbearbeiter eben nie bekommen.

 

 

Geschrieben am Freitag, 15. Juli 2011
Abgelegt unter Aktuelles.
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4 Kommentar to “50+ – Projekt KomET in Essen: Wird wirklich vermittelt?”

  1. JobCenterPhobie sagt:

    Dazu fällt mir spontan folgende Meldung ein -> Jeder 2. Hartz-IV-Empfänger verliert seinen neuen Job!
    Der „Berliner Zeitung“ sagte Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit: „50 Prozent derer, die in den Arbeitsmarkt integriert wurden, sind innerhalb eines Jahres wieder in der Grundsicherung.“
    Vielleicht sollten einige Leute ihre Integrationskonzepte überdenken und nicht nur ihre Schäfchen in Sinnlosmaßnahmen parken, denn das ist kein Erfolg wie man sehen kann. Anstatt das Geld immer noch in Sinnlosmaßnahmen zu stecken, sollte man lieber neue und vor allem motivierte und qualifizierte Mitarbeiter einstellen. Nur dafür ist angeblich kein Geld da, für Sinnlosmaßnahmen die kein Mensch will und braucht allerdings schon, armes Deutschland!

  2. Wolf27 sagt:

    Diese ganzen 50plus-Projekte, die unter den verschiedensten Pseudonymen laufen, sind wieder ein “schönes” Beispiel dafür, wie Gelder sinnlos verpulvert werden.

    Die im Bericht angesprochenen Unterlagen wurden von einer rechtskundigen Stelle geprüft. Das Ergebnis war niederschmetternd und gleichzeitig alarmierend. Ich greife mal nur zwei Punkte aus den Unterlagen des Jobcenters zur Verdeutlichung heraus:

    Datenweitergabe
    Die pauschale Datenweitergabe aller dem Jobcenter bekannten Sozialdaten an unbenannte Dritte ist absolut rechtswidrig.

    Zur EinV:
    Hier wird kein Ziel genannt, d.h. kein Eingliederungskonzept, damit fehlt schon mal die rechtliche Voraussetzung für eine EinV.

    Schlußendlich bleibt die Erkenntnis, dass es hier wohl wieder nur darum geht, die Statistik zu schönen, indem man die Betroffenen in irgendeiner Sinnlos-Maßnahme parkt. Der ein oder andere “Jubel-Bericht” über sinkende Arbeitslosenzahlen in der Region oder Stadt, der in der örtlichen Presse auftaucht, hinterlässt da nur einen faden Beigeschmack.

    LG Wolf

  3. Wolf27 sagt:

    Nachtrag:

    Die Person, die hier aktuell betroffen ist, wird uns auf dem Laufenden halten über die weitere Entwicklung. Es bleibt also abzuwarten, wie es weitergeht.

    LG Wolf

  4. Vocans sagt:

    Sollte ich in der nächsten Woche Nachtschicht haben und es ergibt sich, daß ich dann in Essen sein könnte, so kann er mich gerne als Beistand mitnehmen bzw. anschreiben. Ich würde mal liebend gerne so eine EGV vor deren Köpfen zerpflücken, das sich bei denen die Ohren auf Sturm stellen.
    Unter hartz.info und dann unter Vocans kann man mich dann per PN erreichen.