Hartzkritik

Sachbearbeiter, Fall- und Casemanager Deutschlands – schaut auf diese Eure Kollegen in Frankreich

Die Französischen Jobcentermitarbeiter machen es den Deutschen Kollegen vor: Sie erklären sich solidarisch mit den hilfesuchenden Erwerbslosen und verweigern Sanktionen, Sippenhaft oder andere Schikanen.

Wenn, ja wenn Deutschlands Sachbearbeiter, Jobvermittler, Fall- und Casemanager sich auch so erklären würden, wie ihre Französischen Kollegen, dann würde es eben auch bedeuten, dass sie die Deutsche Verfassung, unser aller Grundgesetz, nicht mit Füßen treten. Sie würde die freie Berufswahl beachten, Rücksicht auf die freie Wahl des Wohnortes nehmen und vor allem die Würde eines jeden hilfesuchenden Erwerbslosen und seiner Angehörigen achten.

Diese Aktion ist völlig in Vergessenheit geraten. Dabei hat Fabienne Brutus den Stein ins rollen gebracht!

Während die Aktion “Deutsche Fabienne gesucht” völlig untergegangen scheint, hatte eben Fabienne Brutus schon vor Jahren als Französische Arbeitsagenturangestellte die Öffentlichkeit über das Innenleben einer Agentur für Arbeit in Frankreich informiert. Sie hat letztendlich den Stein zumindest in Frankreich ins Rollen gebracht und die Deutsche Altenpflegerin Brigitte Heinisch hat mit ihrer Courage auch deutschen Angestellten mit ihrer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof den Weg geebnet, dass Missstände am Arbeitsplätze vor der Loyalität zum Arbeitgeber gehen.

Im 6. Jahr von Hartz IV wäre es an der Zeit, dass sich Deutsche Jobcenterangestellte genau so erklären, um auf die unwürdige und schikanöse Gesetzgebung für Erwerbslose aufmerksam zu machen. Die Gewerkschaften hierzulande sind aufgerufen, dies zu organisieren.

Hier die Erklärung der Französischen Jobcenterangestellten:

Erklärung zur beruflichen und bürgerlichen Ethik von Sud ANPE (Gewerkschaft in der Agentur für Arbeit)

„Unsere Aufgabe ist es vor allem, den Arbeitsuchenden zu helfen, eine Beschäftigung zu finden und das erwarten die Arbeitsuchenden von uns. Aber es gibt einfach keine Arbeit für alle. Die Zunahme von Gesprächen, die ständigen Aufforderungen zum Besuch der Agentur werden keine Arbeit schaffen, sondern erhöhen nur das Risiko für die Arbeitsuchenden, gezwungen, schikaniert und abgestraft zu werden.

Wir, die Beschäftigten der ANPE, erklären, dass wir auf keine Weise Menschen schaden wollen, die schon durch den Verlust der Beschäftigung und des Einkommens verletzt sind.

Wir verweigern uns, sie auszugrenzen und wir werden keine Streichungen mehr durchführen, ohne vorher die moralischen und menschlichen Folgen mit zu beachten.

Wir schlagen Angebote vor, wir zwingen aber Angebote nicht auf. Wir werden die Arbeitsuchenden nicht zwangsweise in kleine Kästen stecken. Wir erpressen sie auch nicht mit Streichung.

Wir verweigern uns auch, der Wut der Arbeitsuchenden ausgesetzt zu werden. Wir verweigern uns, eine soziale Polizei zu sein, angewiesen zur Unterdrückung, anstatt als öffentlicher Ratgeber für Beschäftigung agieren zu können.

Weder Arbeitsuchende noch Beschäftigte der ANPE sind verantwortlich für den Zustand des Arbeitsmarktes und für die wachsende Prekarisierung. Wir sind mit den Arbeitsuchenden solidarisch.

Wir weigern uns, falsche Zahlen, unlautere Angebote und leere Unterhaltungen zu produzieren und wir werden unsere beruflichen Praktiken dazu einsetzen, den Nutzern unserer Dienste zu helfen, im vollen Respekt ihrer bürgerlichen Rechte.”

Die Beschäftigten der ANPE aus Tarn sind gewerkschaftlich organisiert bei SUD (Sud-anpe.81@wanadoo.fr).

 

 

Geschrieben am Dienstag, 13. September 2011
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