Hartzkritik

Jobcenter Essen: Erstantrag heißt Zeit mitbringen!

Das im Jobcenter Essen am Berliner Platz einiges im Argen liegt, ist bekannt. Das man allerdings für einen Erstantrag, wenn man voher noch nie etwas mit dem Konstrukt Jobcenter zu tun hatte einen ganzen Arbeitstag braucht, darf einfach nicht sein!

Morgens um kurz nach 8:00 Uhr ist es noch relativ leer im Anmeldebereich. Man bekommt von 2 freundlichen Sicherheitskräften, die ja eigentlich nichts weiter mit dem Jobcenter zu tun haben, als auf die Sicherheit der Jobcentermitarbeiter zu achten, seinen Nummernbon. Es war die Nummer 245 und so dauerte es nicht lang, bis man an einen der Schalter zur Anmeldung treten durfte. Dort werden eigentlich die Personalien aufgenommen und nachgefragt, ob man eine Kundennummer der Argentur für Arbeit hat und einen Lebenslauf.

Hat man keine Kundennummer der Argentur für Arbeit, wird man zur Anmeldung der Argentur für Arbeit gebeten, um sich dort ein Datenblatt erstellen zu lassen, denn wenn man schon mit der Agentur – früher Arbeitsamt – zu tun hatte, dauert dies ca. 5 Minuten. Man kann sich also mit der erhaltenen Nummer 245 wieder in den Wartebereich der Anmeldung begeben. Nicht so, wenn man angegeben hat, das man noch nie etwas mit der Agentur für Arbeit zu tun hatte. Dann wird man an der Anmeldung des Jobcenters gebeten, sich eine Kurzablehnung von der Agentur geben zu lassen und bekommt eine Kundennummer, der es der freundlichen und bestimmten Dame an der Anmeldung des Jobcenters hilft, ihre Arbeit vorbildlich zu erledigen.

Dieser Vorgang sich eben diese Kurzablehnung oder negativen Bescheid des ehemaligen Arbeitsamtes zu besorgen, dauert allerdings eine halbe bis dreiviertel Stunde und zurück zum Anmeldebereich des Jobcenters, bekommt man man einen neuen Nummernbon und muss sich damit hinten anstellen. Nummer 281 prangte nun auf diesem Nummernbon und der Wartebereich war nun voller Menschen.

Es stellt sich die Frage, in weit eine Kundennummer der Agentur für Arbeit und ein Lebenslauf für die Feststellung der Hilfebedürftigkeit von Nöten ist, besser gefragt, auf welcher gesetzlichen Grundlage beruht dies? Eine typische Antwort von Jobncentermitarbeitern in Essen ist: Dienstanweisung!

Nun beginnt eine erbarmungslose Wartezeit! Erst das Warten auf den Aufruf, das man wieder an einen der Anmeldeschalter treten kann und nach dem man dort war, die Wartezeit, bis man zur eigentlichen Datenerfassung in ein Großraumbüro gerufen wird. Zur Erinnerung: Man war um kurz nach 8:00 Uhr angekommen. Es war ca. 14:30 Uhr als der Aufruf der Nummer 281 ins Großraumbüro erfolgte. Ohne Trinken, ohne etwas zu essen harrte man die ganze Zeit in einem immer stickiger werdenden Wartebereich der Anmeldung aus, um endlich auch die Antragsunterlagen nach der Datenerfassung zu erhalten, um danach noch ein paar Etagen höher zum Sachbearbeiter geschickt zu werden, der das eigentliche Erstgespräch durchführt und den Hilfesuchenden mit einer ersten, für ein halbes Jahr gültigen Eingliederungsvereinbarung konfrontiert. Diese muss man dann hungernd und durstend auch noch verstehen, da der Sachbearbeiter ja eigentlich die Unterschrift vor Ort verlangt, obwohl man ein Recht auf die rechtliche Abklärung eines solches Vertrages, den man ja mit der Eingliederungsvereinbarung eingeht, hat. Normalerweise dürfte man diese mit nach Hause nehmen dafür, denn so gleicht es eher einem Haustürgeschäft, zu dem man gedrängt wird! Als dann Konzentrationsprobleme beim Verstehen der Eingleiderungsvereinbarung offensichtlich waren, durfte man sie mitnehmen, ws wohl eine Ausnahme ist!

Irgendwann nach 15:00 Uhr ist man dann völlig erschöpft mit dem ganzen fertig! Selbst wenn man mit einem fertigen Antrag dort hingehen würde, würde dieser Antrag nicht angenommen, weil das Jobcenter Essen seinen eigenen Ablauf verfolgt. Selbst in der Begleitung erlebt, man bekommt den Vorschlag das ein Umschlag zur Verfügung gestellt wird und man den Umschlag dann draussen in den Jobcenterbriefkasten werfen könne. Wobei man auch mitgeteilt bekommt, das man nicht für eine kurze Bearbeitung garantiere könne. Ist es nicht gesetzlich festgeschrieben, das jede Behörde einen Antrag eines Bürgers, egal welchen, annehmen muss?

Eines jedoch möchte ich hervorheben: Im Großraumbüro der Datenerfassung bediente den Hilfesuchenden ein junger wirklich fitter Jobcentermitarbeiter, der darüber aufklärte und sich entschuldigte, das gar keine Kurzablehnung der Agentur für Arbeit von Nöten gewesen wäre, da man im Jobcenter die Möglichkeit habe, selber Kundennummern zu vergeben und eigentlich wäre es an der Anmeldung bekannt und werde dies bei der nächsten Teambesprechung noch mal ansprechen. Die Zeit zurückkaufen kann man sich dafür allerdings nicht.

Um die Sache zu verkürzen: Man sollte vor einer Erstanmeldung beim Jobcenter Essen eine Kundennummer oder eine Kurzablehnung der Agentur für Arbeit in der Tasche haben und einen Lebenslauf, wenigsten ab Schulabschluss mit sich führen, damit es reibungslos abläuft. Gebraucht wird es zur Feststellung der Hilfebedürftigkeit nicht. Auch ist es traurig, das Hilfesuchende durch halb Essen für den Erstantrag zum Berliner Platz müssen, statt ins Jobcenter ihres Stadtteils. Schließlich haben Hilfesuchende nicht unbedingt das Geld über, das eigentlich bis zur ersten Zahlung des ALG II reichen muss.

Das Jobcenter Essen ist Optionskommune und es hakt an allen Enden! Ein Arbeitstag für eine Erstanmeldung!

 

Geschrieben am Donnerstag, 08. Mai 2014
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