Hartzkritik

Presse | Hartz IV-Gesetzesverschärfung: Maischberger „dübelt“ mal wieder bis die Quote kracht

Ein Kommentar von Hartz4-Plattform-Sprecherin Brigitte Vallenthin zur Sendung „Menschen bei Maischberger“ vom 13. Mai 2014

„Dübeln“, Schneidersitzen und jetzt auch noch ein selbsternannter Papst – wenn bei Sandra Maischbergers dienstäglichem Sitzkreis zum Halali auf Hartz IV geblasen wird, dann darf man immer auf einen Kracher gefasst sein. Eine der „glaubwürdigsten Fernsehjournalistinnen Deutschlands“, so DasErste.de, ist in Sachen Sozialpolitik immer Garantin für ein quotensicheres Hau-Drauf. Mit dem „frechsten Arbeitslosen“, Arno Dübel, feierte sie sein 30-Jähriges. Ralph Boes durfte bei Ihr im Schneidersitz mit Schal posieren, wie es nach giftspritzer.info „ausschließlich affektierten Tenören und vielleicht noch Harald Glööckler vorbehalten“ ist.

Und wer glaubt, diese Karikaturen wider die soziale Wirklichkeit in Deutschland seien nicht mehr zu toppen, der irrt gewaltig. Aktuell präsentierte Maischberger bei ihrem Sofa-Stammtisch einen sogenannten Papst mit 15-jähriger Hartz IV-Vita, den selbsternannten „BGE Papst“, Michael Fielsch, der auf bge-papst.de regelmäßig als „seine Scheinheiligkeit“ im eigenen Radio und auf youtube „predigt“. Was diese Personalie nun mit dem wirklichen Leben im Schatten von Hartz IV zu tun hat? – „Wurst“, Hauptsache die Quote stimmt.

Sandra Maischberger und Papst Michael

Zugegeben, dieser Papst auf Maischbergers Sofa ist nicht wirklich aus weißem Rauch aufgestiegen. Auch wird er wohl kaum den Weg in die Geschichtsbücher finden. Immerhin: eine überschaubare Zahl von Jüngerinnen und Jüngern bezeugt ihm Ehrerbietung. Und damit war’s dann auch schon genug mit Charisma und Schein seiner Heiligkeit. Aus seiner gelben Sofaecke – an die er sich mit einem ebensolchen Hemd ton in ton angepasst hatte – war weder Informatives über die Hartz IV-Realität zu hören und schon gar nicht Überzeugendes, warum ausgerechnet er unter Millionen auserwählt sein sollte, sich seit nunmehr 15 Jahren quasi ein Grundeinkommen erschleichen zu dürfen.

Wasser auf Rita Knobel-Ulrichs Mühlen

Im Gegenteil: statt der bitteren, diskriminierenden Hartz IV-Schikanen-Realität die notwendige Öffentlichkeit zu verschaffen – schüttete der sogenannten, ebenfalls selbsternannte „Wendeberater“ kübelweise Wasser auf die Mühlen der seit Jahren gegen angeblichen Hartz IV-Missbrauch Stimmung machenden TV-Journalistin Knobel-Ulrich. Der präsentierte Fielsch auf dem Silbernen Tablett, noch einen drauf setzen zu können. Den Jobcentern seien bislang gegen solchen Missbrauch quasi die Hände gebunden. Sie hätten bei der aktuellen Gesetzeslage überhaupt keine Möglichkeit, derartiges planvolles Schmarotzertum einzudämmen, weil Fielsch wenn’s erst werde brav Termine einhalte, um Sanktionen zu vermeiden. Das waren schon keine Scheuklappen mehr – das, Frau Knobel-Ulrich, waren blickdichte Augenklappen vor der bestehenden maximal restriktiven SGB II-Rechtslage und Jobcenter-Verwaltungspraxis.

Jobcenter-Chef Thomas Lenz will schärfere Gesetze für sozialen Frieden im Lande

Damit hatte Sie den Ball zum anwesenden Wuppertaler Jobcenter-Chef, Thomas Lenz, gespielt und ihm eine Steilvorlage dafür geliefert, die von der Bundesagentur für Arbeit geforderte Gesetzesverschärfung für Sanktionen zu unterstützen. Unterirdisch für jeden Hartz IV-Kenner in diesem Kontext seine Begründung für die gesellschaftliche Notwendigkeit der Jobcenter. Selbst sinnlose Maßnahmen seien unverzichtbar. Damit würde der soziale Frieden im Lande garantiert.

Steile These pro Sanktionen vom Wohlfahrtsverbandler Ulrich Schneider

Den Vogel in Maischbergers Schauermärchenstunde schoss Ulrich Schneider ab, der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Sanktionen könnten nach seiner Ansicht aus dem Grunde nicht abgeschafft werden, weil sonst diejenigen das Hartz IV-System nicht mehr akzeptieren würden, die es finanzieren. Und da war sich die versammelte Sofa-Runde einig: sie alle seien es doch – mit Ausnahme des Mannes in Gelb – die seine und aller Hartz IV-Bezieher Geld aus ihren Steuern finanzierten.

Akzeptanzversuch für Gesetzes-Verschlimmbesserung am untauglichen Hartz IV-Kandidaten zelebriert

Ich schäme mich für alle, die schon seit Jahren unter den „demütigenden und entwürdigenden Torturen“ der Jobcenter aus aktuellen Gesetzesmitteln unvorstellbar leiden – was einzig Ex-Hartz IV-lerin und Ex-Spitzensportlerin Sandra Völker verschämt zurückhaltend anzudeuten versuchte – und dafür, dass der öffentlich-rechtliche WDR zum wiederholten Male mit einem solchen Provokations-Kandidaten Millionen unverschuldet in Not geratene Mitbürger der Lächerlichkeit preis gibt, indirekt vorführt und sogar den Steigbügel hält, um der Bundesregierung Akzeptanz für weitere Verschärfung ihrer Not zu verschaffen.

Nichts dazu gelernt, Frau Maischberger

Da mutet es schon bizarr an, wenn Sandra Maischberger auf der Website zur Sendung selbstbewusst erklärt: „Journalismus ist meine Berufung, denn Journalismus ist für mich lebenslanges Lernen.“ Mir bleibt nur staunende Verwunderung, dass sie dann in Sachen Hartz IV nichts, aber auch gar nicht dazu gelernt zu haben scheint.

Brigitte Vallenthin
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Geschrieben am Sonntag, 18. Mai 2014
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