Hartzkritik

Stadt Essen: Fast 20 % Alg II-Bezieher!

Jeder 5. Einwohner der Stadt Essen unter  65 Jahren ist in irgendeiner Form mit Jobcenter konfrontiert. Das sind über 100.000 Menschen in Essen. Damit steht Essen auf dem 2. Rang hinter Gelsenkirchen, das mit über 22 % den Spitzenplatz in NRW belegt. Essen liegt damit sowohl deutlich über dem landes- als auch dem bundesweiten Schnitt, wie das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg Essen mitteilt. Trotz der guten Wirtschaftslage ist die Alg II-Quote um 2,65 % gegenüber dem Vorjahr angestiegen.

„Gerade Städte und Kreise im Strukturwandel, die unter einer hohen Arbeitslosigkeit leiden, haben hohe Empfängerquoten“, erläutert Prof. Dr. Gerhard Bäcker vom IAQ. „Dass die Menschen in den Ruhrgebietsstädten besonders stark von Hartz IV abhängig sind, kann deswegen kaum überraschen.“ Neben den Erwerbslosen und ihren Kindern sind zunehmend auch Erwerbstätige auf den Alg II-Bezug angewiesen, weil ihre Löhne so niedrig sind, das mit dem Alg II aufstocken müssen, um ihre monatlichen Kosten decken zu können. Und auch jene, denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit aufgrund eines Schulbesuchs (Kinder) oder aufgrund von Betreuungsund Pflegeaufgaben nicht zugemutet wird und dem Arbeitsmarkt (zeitweise)nicht zur Verfügung stehen, sind Empfänger von Arbeitslosengeld II. Die Unterschiede in den Empfängerquoten, insbesondere die Unterschiede zwischen Großstädten und Landkreisen, rühren deshalb auch daher, dass sich im großstädtischen Raum die sozialen Problemlagen konzentrieren: Hier weisen vor allem Alleinerziehende und Ein-Personenhaushalte besonders große Bevölkerungsanteile auf.

So gibt es zwischen den Städten und Landkreisen innerhalb NRWs deutliche Unterschiede. Ausserhalb des Ruhrgebiets liegen vielen Landkreise weit unter dem NRW-Durchschnitt, während in der Hauptsache die Ruhrgebietsstädte über dem NRW-Durchschnitt liegen. Auch die Großstädte Düsseldorf und Köln liegen über dem Durchschnitt. Weit unterhalb der NRW-Quote liegen dagegen Landkreise, wie Hochsauerlandkreis, Oberbergischer Kreis, Kreis Steinfurt sowie die Kreise Gütersloh, Höxter, Olpe und mit 4,8 % am Ende der Kreis Coesfeld.

Bei dem ganzen Ranking wird interessant sein, wie die Zahlen zu den monatlich veröffentlichten Arbeitslosenquoten stehen. Denn in der öffentlichen Arbeitslosenstatistik fehlen regelmäßig Erwerbslose, die in einer der zahlreichen Maßnahmen teils wohl dubioser Bildungsträger geparkt werden. Zudem tauchen auch erkrankte Erwerbslose und ältere über 55 oder 60jährige nicht in der Arbeitslosenstatistik auf. So kann getrosst davon ausgegangen werden, das einige Städte und Landkreise besser ihre Alg II-Bezieher in teils sinnlosen Maßnahmen parken, als andere.

Wegen der der teils schikanösen und würdelosen Behandlung durch die Jobcenter melden sich aus Scham viele Betroffene gar nicht erst arbeitslos oder Leistungsberechtigte sind schlicht unwissend. Daher geht das IAQ davon aus, das die Zahl der tatsächlich hilfebedürftigen Personen wesentlich größer sei als die in der Statistik angegebenen bundesweiten 9,6 %, es also eine ziemliche Dunkelziffer gebe.

 

 

 

Geschrieben am Montag, 25. August 2014
Abgelegt unter Aktuelles.
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